Die Kaffee-Connection: GKV-Versicherung als Tchibo-Sonderangebot PDF E-Mail
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Von Dr. Uwe K. Preusker   
Mittwoch, 19. September 2007

Da fällt einem doch glatt die Kaffeetasse aus der Hand: „Bei einer Tasse Kaffee die Kasse wechseln“, heißt es in einer vor wenigen Tagen veröffentlichten Pressemeldung von Tchibo und der Direkt-Krankenkasse BIG. Wird die gesetzliche Krankenversicherung jetzt als Sonderangebot bei Tchibo verramscht?

Ein Scherz? Keineswegs: Krankenkasse war gestern - heute ist Tchibo-Kasse, könnte man da ja wohl sagen! Nun muss man nicht mehr zur Kasse, um Kasse mit niedrigen GKV-Beiträgen zu machen - das geht einfach bei einer Tasse Kaffee in der nächsten Tchibo-Niederlassung um die Ecke. Dort kann man nämlich ab dem 21. September in die „BIG - Die Direktkrankenkasse“ wechseln - mit einem Beitragssatz von derzeit 12,5 Prozent eine der günstigen gesetzlichen Krankenkassen.

Die „BundesInnungskrankenkasse Gesundheit“ - kurz BIG - war übrigens schon immer vorneweg, wenn es um Neuerungen ging: So wurde sie 1996 als erste Direktkrankenkasse Deutschlands von der Bundesinnung der Hörgeräteakustiker gegründet - und ist nun wohl auch die erste Krankenkasse, die eine Kooperation mit einem Kaffeeröster eingeht.

Seit dem 21. September kann der Kunde nun also bei Tchibo auch die Krankenkasse wechseln! Im Rahmen der Zusammenarbeit biete Tchibo die BIG-Mitgliedschaft in deutschlandweit rund 1.000 Tchibo Filialen und auf der Internetplattform www.tchibo.de an, hieß es in der Erklärung der Partner weiter. Klar: Die GKV-Kasse BIG will über den gegenwärtigen Stand von 240.000 Mitgliedern hinaus wachsen - und sucht dafür neue Vertriebswege. "Durch diese Kooperation erschließen wir neue Wachstumspotenziale", betonte Marion Winkler, Marketingleiterin bei der BIG. Als Dreingabe gibt es für Tchibo-Kunden, die sich noch in diesem Jahr für einen Wechsel in die BIG entscheiden, zusätzlich eine kostenlose einjährige Auslandsreisekrankenversicherung von Signal Iduna. Wenn das kein Angebot - oder wie es bei Tchibo heißt: „ANGEBOOT“ - ist?

Sonderangebot für Burnout-Bedrohte?

Besonders geeignet scheint die spezielle Kombination übrigens für stark vom Burnout-Syndrom bedrohte GKV-Mitglieder zu sein. Klar: Kaffee und Kasse - das ist das probate Gegenmittel! Doch im Ernst: In der bereits zitierten Erklärung der neuen Partner heißt es wörtlich: „Neben den gesetzlich vorgeschriebenen Leistungen bietet die BIG Tchibo Kunden diverse Zusatzleistungen: So werden beispielsweise Therapien auf Basis von Naturheilverfahren und spezielle Behandlungsmethoden des Burnout-Syndroms unterstützt.“

Natürlich verspricht BIG die gesetzlich vorgeschriebenen Leistungen - und im Zweifel etwas mehr: „Trotz des niedrigen Beitragssatzes sparen wir nicht bei unseren Leistungen“, betonte etwa Frank Neumann, Vorstandsvorsitzender der BIG, im Zusammenhang mit dem neuen Tchibo-Kassen-Sonderangebot. „Als Direktkrankenkasse verzichten wir auf ein umfangreiches Geschäftsstellennetz und sparen so Verwaltungskosten ein - zugunsten der Kunden.“ Bei Fragen rund um die Versicherung stehe den Kunden eine kostenlose Service-Hotline zur Verfügung, die rund um die Uhr besetzt und dafür durch ein TÜV-Siegel zertifiziert worden sei.

Bringt die neue Kooperation den großen Wechsler-Schub?

Offensichtlich setzt auch Tchibo große Hoffnungen in die „Kaffee-Connection“: Trotz großer Ersparnismöglichkeiten bei vergleichbaren Leistungen habe nämlich erst ein geringer Teil der Bundesbürger einen Krankenkassenwechsel vollzogen. „Wir möchten mit dieser Aktion dem Kunden die Ersparnismöglichkeit transparent aufzeigen und bieten mit dem ‚ANGEBOOT’ für viele Kunden nach sorgfältiger Prüfung eine günstigere Alternative“, so Prof. Klaus Peter Nebel, Unternehmenssprecher von Tchibo.

Zumindest Aufmerksamkeit dürfte beiden Partnern reichlich zuteil werden - ob sich das Angebot durchsetzt oder die GKV-Mitglieder doch eher davor zurückschrecken, die Kasse mal gerade so bei einer Tasse Tchibo-Kaffee zu wechseln, wird sich zeigen. Dass sich BIG bei einem Erfolg der Aktion in "BIG - die Kaffee-Kasse" umbenennen will, ist allerdings ein reines Gerücht.

Letzte Aktualisierung ( Mittwoch, 19. September 2007 )
 
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